Alchemie und Ökonomie in der Literatur der Frühen Neuzeit

Unterprojekt von Simon Zeisberg
 

Obwohl außer Zweifel stehen dürfte, dass alchemisches Wissen in der Frühen Neuzeit ökonomische Relevanz besaß, wurde nach konkreten Wissenstransfers zwischen Ökonomie und Alchemie in frühneuzeitlichen Texten bisher kaum je gefragt. Das Projekt stellt sich die Aufgabe, Ansätze zur Beantwortung dieser Frage zu erarbeiten, indem es auf beide Seiten der sich eröffnenden textuellen Konstellation blickt. Zum einen wird es darum gehen zu prüfen, ob und in welcher Weise alchemische Schriften selbst ökonomisches Wissen transferieren, etwa indem sie ein spezifisches Wissen von Wert und Substanz entwickeln, das in Zusammenhang mit frühneuzeitlichem Wissen vom Geld steht. Zum anderen zielt das Projekt darauf, die Einordnungen der ökonomischen Nützlich- und/oder Schädlichkeit alchemischen Wissens in der ökonomischen Literatur der Zeit zu beleuchten. Auffällig ist dabei, dass es kaum Texte dieses Segments gibt, in denen die Alchemie als eine Praxis dargestellt wird, die zum Erhalt bzw. zur Vermehrung von Wohlstand beitragen kann. Im Gegenteil verbindet sich mit dem Alchemisten als Figur in der ökonomischen Literatur – und insbesondere in der auf ökonomische Themen bezogenen frühneuzeitlichen Satire – eine Topik des Ruinösen, die als solche ökonomisches Wissen voraussetzt. Zu fragen wäre hier, ob und inwieweit an der Alchemie als moralisch-religiös belasteter Praxis Konflikte zwischen spekulativen und realistischen Zugängen zur Ökonomie als Kunst der Vermehrung von Reichtum kristallisieren.