Der Kommentar als Medium und Forum des Wissenstransfers in der Spätantike

Unterprojekt von Prof. Dr. Gyburg Uhlmann

 
Das Forschungsvorhaben beschreibt die innere Dynamik der Wissensbildungsprozesse in den spätantiken Aristoteles-Kommentaren zu de interpretatione und den dieser Schrift nahestehenden weiteren Aristotelischen Schriften. Ziel ist es, die unterschiedlichen Arten des Umgangs der Kommentatoren mit Vorgängern, unmittelbaren Lehrern und zeitgenössischen Interpreten zu bestimmen und deren methodische Prämissen zu analysieren. Die Untersuchung der Kommentartexte versucht, diese internen Referenzen oder das Verschweigen von Bezugstexten im Kontext der Institution des philosophischen Unterrichts in Alexandria (bzw. Athen) zu deuten, um damit Aufschluss über die Unterrichtspraxis, die verschiedenen Formen der Verschriftlichung (etwa in der Vorlesungsmitschrift oder dem Vorlesungsmanuskript) und Traditionsauffassung zu gewinnen. Im Zentrum stehen daher Fragen der Abgrenzungsstrategien, aber auch der Betonung von Kontinuität sowie der Versuch, die in der spätantiken Kommentartradition scharfe Beachtung der Disziplingrenzen zwischen den einzelnen Aristotelischen Schriften und des davon abhängigen primären Lehr- und Lernziels der Lektüre und Kommentierung im philosophischen Unterricht zu beschreiben und für die Untersuchung der internen Transferakte der Kommentatoren auszuwerten.