Der reduzierte Transfer von Pyramidentextsprüchen

Unterprojekt von Stephan Hartlepp

 
Aus dem Alten Reich (circa 2686–2125 v. Chr.) sind derzeit elf Pyramiden (sechs von Königen und fünf von Königinnen) mit Pyramidentexten belegt.

Die Anzahl an Sprüchen, die in allen elf Pyramiden insgesamt verwendet wurden, wird derzeit mit ungefähr 900–1000 Sprüche angegeben. Neue Grabungsergebnisse sowie Überarbeitungen der bereits bekannten Sprüche, werden diese Zahl noch verändern und am Ende präzisieren. Einige Sprüche existieren nur in einer der elf Pyramiden, wohingegen andere in fast allen zu finden sind. Dies zeigt die beiden Aspekte Variabilität und Stabilität, die wichtige Aspekte bei der Bearbeitung des Themas darstellen.

Der Transfer dieses Textgutes in das Mittlere Reich (circa 2055–1650 v. Chr.), wurde bisher hauptsächlich von den Sprüchen bestimmt, die transferiert wurden und somit auch in späteren Perioden verwendet wurden. Jedoch ist das Verhältnis der transferierten zu den nicht-transferierten Sprüchen ungefähr 1:1, sodass jene Untersuchungen fast die Hälfte des Spruchbestandes, welcher aus dem Alten Reich bekannt ist, wenig bis gar nicht bei diesen Transferprozessen thematisiert und untersucht haben.

Die fokussierte Betrachtung unter dem Aspekt des reduzierten Transfers, der erstmal nur eine quantitative Aussage macht, soll Prozesse, Mechanismen und Gründe darlegen, welche bewusst wie unbewusst in einem solchen diachronen Vergleich bei der Reduktion des Spruchbestandes wirkten.

Das Unterprojekt verfolgt somit drei Schwerpunkte: Erstens: Die Sammlung und Erschließung der Sprüche, die nach dem Alten Reich nicht mehr belegt sind. Zweitens: Welche Eigenheiten eines Spruches und/oder einer Spruchsequenz/-gruppe führten dazu, dass diese in späteren funerären Kontexten nicht mehr belegt sind? Drittens: Welche Akteure oder institutionellen Einrichtungen können als Quelle bzw. Ursache dieser Selektions-, Reduktions- und Negationsprozesse sichtbar gemacht oder vermutet werden?