Aspekte des Langfristtransfers der epistemischen Gattung der Frage

Unterprojekt von Prof. Dr. Anita Traninger

 
Das Unterprojekt setzt die Preisfrage in Beziehung zu historischen Formen epistemischen Fragens – unter der Perspektive, dass jeder Typus von Frage mit bestimmten Implikationen über Form, Geltungsstatus und Reichweite der Antwort verkoppelt ist. Es knüpft an Arbeiten der Teilprojektleiterin zum Verhältnis von Disputation und Deklamation an und nimmt sich die Erarbeitung von einer Reihe von Fallstudien vor, die exemplarisch die Frage als epistemische Gattung in historischer Perspektive erschließen sollen. Die Preisfrage, die im Unterprojekt 2 (Urmann) im Detail untersucht wird, ist deshalb so interessant, weil sowohl die zur Beantwortung ausgelobten Fragestellungen als auch die prämierten discours in vielen Hinsichten deckungsgleich sind mit älterer gelehrter Praxis: In der Kategorie der éloquence werden moralphilosophische Themen verhandelt, wie sie im genus demonstrativum seit der Antike, mit Nachdruck aber seit dem Humanismus bearbeitet wurden: die kontrastierende Diskussion von Normen, Werten, Ideen im Modus des Lobs bzw. Tadels, also der Befürwortung oder der Ablehnung. Die Frage, die sich hier stellt, ist, inwiefern die Antworten, auch wenn sie auf denselben Schatz von Exempla, Sentenzen, Bibelstellen und Autoritätenzitate zurückgreifen, durch die Einspeisung in unterschiedliche Protokolle Ergebnisse generieren, denen unterschiedlicher Geltungsstatus eignet.