Die griechischen medizinischen Sammelwerke der Spätantike

Unterprojekt von Dr. Christine Salazar

 
Die griechische Seite des Projekts untersucht die medizinischen ‘Enzyklopädien’ der Spätantike bzw. der frühbyzantinischen Periode, genauer gesagt, des 4.–7. Jh. Während diese Werke in der Forschung des 19. und 20. Jh. als nichts Anderes als Magazine früherer Gelehrtheit betrachtet wurden, sind sie in letzter Zeit um ihrer selbst willen zum Objekt akademischen Interesses geworden, und zwar insbesondere wegen ihres kreativen Umgangs mit den großen Autoritäten der Vergangenheit. Oreibasios, Aetios von Amida und Paul von Ägina trafen eine reiflich überlegte Auswahl, welche Aspekte des antiken medizinischen Wissens es verdienten, der Nachwelt überliefert zu werden und in welcher Form dies geschehen sollte. Zu diesem Zweck kürzten oder paraphrasierten sie den Originaltext, kombinierten Textpassagen aus verschiedenen Kapiteln, oder fügten ihre eigene Meinung hinzu. Das Ergebnis war eine vollständige Neukonfigurierung des antiken medizinischen Wissens.

Der Fokus im ersten Abschnitt des Projekts ist auf die sechzehn Libri medicinales des Aetios von Amida aus dem 6. Jh. gerichtet, da wir für ihn nicht einmal eine komplette Edition des griechischen Textes oder eine Übersetzung in eine moderne Sprache besitzen. Die primären Ziele sind deshalb die Konstitutierung eines zuverlässigen Textes der bisher unedierten Bücher sowie die Erstellung einer englischen Übersetzung mit Kommentar des gesamten Werkes.