Darstellung von Wissen und Wissenstransfer in antiken Dichterbiographien (De viris illustribus: Nepos, Sueton; Vitae Vergilianae)

Unterprojekt von Prof. Dr. Melanie Möller


Dieses Unterprojekt befasst sich hauptsächlich mit Dichterbiographien der augusteischen und nachklassischen Zeit sowie deren Vorläufern. So soll neben einer Untersuchung der Traditionslinie der lateinischen Biographie und ihres zunehmenden Interesses an Privatwissen vor allem die große Anzahl der Vergil-Viten und das darin reich enthaltene anekdotische Material unter die Lupe genommen werden. Im Falle Vergils wird sich die Frage nach den die Anekdoten betreffenden Wissenskonzepten in zwei Facetten entfalten: Nicht nur bezieht jeder Leser sein Wissen über Vergil zwangsläufig aus Anekdoten, die sich aus dessen Werken speisen; vielmehr wird Vergil selbst in den über ihn kursierenden Anekdoten als wissenschaftliche Autorität präsentiert. Sowohl Darsteller als auch Dargestellter sollen also zu Wissenstransporteuren stilisiert werden. Dabei muss gerade die induktive Methode der Autoren, von der Kunst aufs Leben zu schließen, problematisiert werden, bevor sich das Projekt der Erforschung des epistemischen Status der in den biographischen Vergil-Anekdoten überlieferten Wissensformationen widmen kann.