Rom als Hort der Wissensgestaltung? Zur anekdotischen Strategie in Ciceros philosophischen und rhetorischen Schriften

Unterprojekt von Matthias Grandl


Dieses Unterprojekt soll untersuchen, wie Cicero Anekdoten einsetzt, um philosophisches und rhetorisches Wissen zu vermitteln. Seine beherrschende und herausragende Stellung als Übersetzer griechischer Philosophie in lateinische Sprache erlaubt es ihm, individuelle Akzente und eigenwillige Perspektiven in diesem Wissenstransport zu setzen. Es gilt hierbei, im Abgleich mit anderen Quellen, bei Cicero auch einen gezielt negativen Transfer von Wissen zu dechiffrieren. Gerade im Medium der Anekdote gelingt es ihm nämlich, seine Protagonisten in ganz bestimmtem Licht erscheinen zu lassen, indem er ihnen epistemische Brillanz oder, im Gegenteil, Inkompetenz zuschreibt. Da Cicero selbst als einer der ersten die Anekdote als Terminus technicus gebraucht, tut sich die spannende Frage auf, welche Wege von der Verwendung bei Cicero bis zum heute geläufigen Verständnis der Anekdote weisen. Neben einer hierfür notwendigen präzisen Begriffsdefinition, die den polygenen Charakter der ciceronianischen Anekdote postulieren wird, will das Projekt ebenso einen genreübergreifenden Gesamtblick auf die Verwendung der Anekdote bei Cicero wagen, immer der Annahme einer Trias von Weiter-, Nicht- und Ersttransport von Wissen folgend.