Theologie und Ästhetik des Offenbarungstraums in Schriften des jüdischen Mittelalters

Unterprojekt von Hanna Zoe Trauer


Das Projekt untersucht Konzeptionen imaginativen Wissens in Schriften des jüdischen Mittelalters anhand des exegetischen und philosophischen Umgangs mit biblisch verbürgten Offenbarungsträumen.

Ausgehend von jüdischen Auslegungstraditionen zu den biblischen Traumszenarien – von den rabbinischen Auffassungen (in Midrasch und Talmud), deren Verflechtungen mit hellenistischen Theorien (etwa Philon von Alexandria) bis zur mittelalterlichen hebräischen Exegese (bspw. Abraham Ibn Ezra) – sollen Rückgriffe, Umdeutungen und Verflechtungsdynamiken in mittelalterlichen Debattenkontexten analysiert werden.

Insbesondere sollen exegetische Traditionen darauf untersucht werden, wie die jeweils zeitgenössischen philosophischen und psychologischen Ansätze in die Interpretation der biblischen Träume eingeflochten werden und wie Wissen in diesen Kontext übertragen, sowie in diesem Transferprozess modifiziert wird.

Im Zentrum dieser Analyse steht die jeweilige Auseinandersetzung mit dem Status mentaler Bilder und der Möglichkeit der visionären Erfahrbarkeit übersinnlicher Vorgänge in Offenbarungsträumen, sowie den hiermit verhandelten Geltungsansprüchen: Wie gehen die Auslegungen mit der Problematik um, dass ein die begriffliche und abbildliche Fassbarkeit übersteigendes Geschehen nicht anders als in Beschreibungen und Darstellungen mitgeteilt und glaubhaft gemacht werden kann?

Damit zusammenhängend sollen unter anderem das Verhältnis von Sehen und Hören, die Rolle der Sinne und der Imagination, und sowie Zeit- und Raumkonzeptionen in den unterschiedlichen Kommentaren untersucht werden. In enger Zusammenarbeit mit den beiden anderen Unterprojekten soll herausgearbeitet werden, wie diese Beschreibungsmodelle in christliche und islamische Konzeptionen hineinspielen und vor diesem Hintergrund selbst modifiziert werden.