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Translatorische und theologische Verhandlung– die koptischen Nag Hammadi-Texten und ihre griechischen Äquivalente

Unterprojekt von Marie-Christin Barleben

Wie funktionierte Übersetzung in der Antike? Im Unterprojekt soll diese globale Frage eingeschränkt auf die Übersetzung von griechischen Texten der ersten nachchristlichen Jahrhunderte ins Koptische betrachtet werden.

Die sogenannten Nag-Hammadi-Codices bieten eine Fülle an verschiedensten Texten, sowohl inhaltlich als auch gattungsmäßig. Bei den meisten ist es wahrscheinlich, dass es sich um Übersetzungen ursprünglich griechischer Texte handelt. Für immerhin sieben dieser Texte sind uns griechische Fragmente bekannt.

Das Projekt erforscht anhand dieser Texte den Transfer von Wissen innerhalb von Übersetzungen. So stellt es sich z. B. folgende Fragen:

Wie beeinflusst die Übersetzung das transferierte Wissen? Gerade innerhalb des Christentums in den ersten Jahrhunderten, in denen viele Glaubensinhalte noch nicht kanonisiert waren und sich noch zeigen musste, welche Lehren „großkirchliche“ Anerkennung erlangen würden und welche als häretisch ausgeschieden würden, bietet der Begriff der „Verhandlung“ nach Umberto Eco nicht nur in translatorischen Prozessen, sondern auch in theologischer Hinsicht einen guten Ausgangspunkt. So mussten die Übersetzer eben nicht nur bedenken, wie sie bestimmte Worte und Inhalte wiedergeben wollten, sondern auch inwiefern sie sich bestimmten Lehren anschließen wollten oder eben nicht.

Wie ist das Verhältnis von Ausgangs- und Zielsprache? Gibt es also reziproke Wechselwirkungen, die Einfluss auf Sprache und Kultur haben? Hierzu bietet gerade das Koptische im Verhältnis zum Griechischen einen spannenden Forschungsbereich, da die lange Zweisprachigkeit und die nachweisliche Beeinflussung durch Lehnwörter u.ä. in einem überraschenden Spannungsverhältnis dazu steht, dass mit der Eroberung durch die Araber das Koptische nicht etwa auch einen Angleichungsprozess an diese Sprache vollzog, sondern schlicht ausstarb.