Teilprojekt A01

Episteme als Konfigurations-Prozess: Binnenströme des Wissens in keilschriftlichen Textcorpora

Das Teilprojekt A01 betrachtet den Transfer und die Neukonfigurierung epistemischen Wissens in der keilschriftlichen Überlieferung des 3.–1. Jt. v. Chr. und legt den Fokus auf Verschränkungen und Binnenströme epistemischer Bestände. Dazu werden in komplementären Fallstudien räumlich, zeitlich, soziokulturell und thematisch unterschiedlich situierte Transfersituationen im Hinblick auf horizontale (d. h. synchrone) und vertikale (d. h. diachrone) Wissensbewegungen untersucht.

Am Beispiel des Sumerischen in der Überlieferung aus den Palastarchiven von Ebla (24. Jt. v. Chr.) untersucht das Teilprojekt, inwiefern die ethnolinguistischen Rahmenbedingungen im semitisch geprägten Nordsyrien Transfer und Neukonfiguration epistemischer Bestände von Sprach‐ und Schriftwissen des Sumerischen bedingen und beeinflussen, und nimmt dabei Binnenströme zwischen neukonfigurierten lexikalischen Listen und urkundlicher Alltagsdokumentation in Ebla in den Blick.

Die zweite Fallstudie beschäftigt sich mit juristischen Wissensbeständen aus altbabylonischer Zeit (20.–16. Jh. v. Chr.) und betrachtet Binnentransfer und Neukonfiguration von scheinbar stabilen Beständen epistemischen Rechtswissens zwischen lexikalischen Listen, Schultexten (Exzerpten, Urkundenvorlagen) und Dokumenten der Rechtspraxis sowie ihre Konstituierung und Kanonisierung im 1. Jt. v. Chr.

Die komplementären Fallstudien erlauben es, die Rahmenbedingungen für Bewegungen epistemischer Bestände und die Handlungsspielräume der Akteuere dieser Transferbewegungen zu beschreiben, und ermöglichen damit Vergleiche mit Wissensbewegungen in anderen Kulturräumen.
   


Projektteam

Prof. Dr. Eva Cancik-Kirschbaum (Teilprojektleitung)

Priv.-Doz. Dr. Ingo Schrakamp (Wiss. Mitarbeiter)

Julia Levenson (Wiss. Mitarbeiterin)

Dr. Christian Hess (Wiss. Mitarbeiter)

Vincent Cristóbal Alt (Stud. Hilfskraft)