Kooperationen

des Teilprojekts A01 "Episteme als Konfigurations-Prozess: Binnenströme des Wissens in keilschriftlichen Textcorpora", Leitung: Prof. Dr. Eva Cancik-Kirschbaum
  

The so-called “Reform-Texts” of Urukagina: What’s wrong with making the “side” “follow” the ruler’s household and fields?

Bericht zum Gastseminar von Prof. Dr. Gábor Zólyomi, Universität Budapest, im Rahmen des Teilprojekts A01 des SFB 980 und des Institutes für Altorientalistik, 17.06.2019

Die sogenannten „Reformtexte des Urukagina von Lagasch“ (ca. 2320–2310 v. Chr.) zählen zu den ältesten und bedeutendsten Schriftdenkmälern zur Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsgeschichte Mesopotamiens im 3. Jtsd. v. Chr., sind in mehreren Textvertretern bzw. Fassungen überliefert und zählen aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung für die Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsgeschichte im frühen Mesopotamien zu den am kontroversesten diskutierten keilschriftlichen Textzeugnissen. Sie nehmen auf dieselben sozio-ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des südmesopotamischen Stadtstaates Bezug, die auch das gleichzeitige Urkundencorpus dokumentiert, und stellen durch ihr bewusstes Abwägen und Gegenüberstellen institutioneller und sozialer Ordnungen ein einzigartiges Textzeugnis über die Aushandlung von Geltungsansprüchen dar.

In einem Gastseminar mit dem Titel The so-called “Reform-Texts” of Urukagina: What’s wrong with making the “side” “follow” the ruler’s household and fields? am 17.06.2019 stellte Prof. Dr. G. Zólyomi (Universität Budapest) eine Neuinterpretation einer Schlüsselpassage der Inschriften zur Diskussion, die in der Forschung wiederholt und hochkontrovers diskutiert wurde, aber bislang nur unzureichend geklärt werden konnte. Die Neuinterpretation wurde in der anschließenden Diskussion positiv rezipiert und bildete in Arbeitssitzungen am 18.–21.06.2019 den Ausgangspunkt der Arbeit an einer gemeinsamen Aufsatzpublikation.


On Ebla.

Bericht zur Seminarreihe von Dr. Marco Bonechi im Rahmen des Teilprojekts A01 des SFB 980 und des Institutes für Altorientalistik, 13.05., 20.05., 27.05., 03.06.2019

In der Mitte der 1970er Jahre entdeckten Archäologen am heutigen Tell Mardikh in Nordsyrien die Ruinen des antiken Ebla, das im 24. Jh. v. Chr. das Zentrum eines bedeutenden Regionalstaates war. Den Höhepunkt der Grabungen stellte der Fund des Palastarchivs von Ebla dar, das sich über eine Laufzeit von rund 50 Jahren erstreckt und mit ursprünglich mehr als 3000 Tontafeln – adminstrative Urkunden, internationale Korrespondenz, lexikalische Listen, Beschwörungen u. v. m. – nicht nur zu den bedeutendsten Archiven des 3. Jtsd. v. Chr. zählt, sondern zugleich eine auf mesopotamische Ursprünge zurückgehende, aber dennoch eigenständigen Schriftkultur dokumentiert.

Mit Dr. Marco Bonechi (ISMA/CNR Rom) konnte das TP A01 einen der führenden Spezialisten auf dem Gebiet der Ebla-Forschung für ein vierwöchiges Gastseminar mit dem Titel On Ebla gewinnen, das im Rahmen des Forschungskolloquiums am Institut für Altorientalistik abgehalten wurde.

In vier Seminaren mit den Titeln „On Ebla 1 – Aftermath. 50 years since the big surprise“ (13.05.2019), „On Ebla 2 – Times are changing. The limits of what we presently know“ (20.05.2019), „On Ebla 3 – Prequel. Or: she came through the Ancient Near Eastern bathroom window” (27.05.2019) und “On Ebla 4 – What is to be done? From fragmentation for holistic reconstruction” (03.06.2019) führte Dr. Bonechi in die Entdeckungs- und Forschungsgeschichte der Ebla-Texte ein, umriss die Bedeutung der Ebla-Funde für die Kenntnis Mesopotamiens in der Mitte des 3. Jtsd. v. Chr., gab einen umfassenden Überblick der in Ebla bezeugten Texttypologien vor dem Hintergrund der zeitgleichen Überlieferung Südmesopotamiens und lieferte abschließend eine Synthese, die zukünftige Forschungsrichtungen aufzeigte.

Mit insgesamt rund 80 Besuchern war die Seminarreihe äußerst rege besucht.

 

„Urukagina, König von Lagasch, in Berlin

Bericht zum Gastaufenthalt von Prof. Dr. Gábor Zólyomi, Universität Budapest, 23.07.–03.08.2018

Die sogenannten "Reformtexte des Urukagina von Lagasch" (ca. 2320–2310 v. Chr.) zählen zu den ältesten und bedeutendsten Schriftdenkmälern zur Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsgeschichte Mesopotamien im 3. Jtsd. v. Chr., sind in mehreren Textvertretetern bzw. Fassungen überliefert. Obwohl die "Reformtexte" in der Forschung wiederholt und verschiedensten Aspekten diskutiert wurden, bleibt eine kritische Edition aller bekannten Textvertreter ein Desiderat. Gegenstand der round table discussion sind eine kritische Evaluation des Forschungsstandes und die Planung eines gemeinsamen Editionsprojekts im Rahmen des Teilprojekts A01, das neben den philologischen und  sozioökonomischen Aspekten insbesondere der komplexen Traditionsproblematik Rechnung tragen soll.

 

„Eine Woche der Magie mit Tzvi Abusch“

Bericht zum Gastaufenthalt von Prof. T. Abusch, 06.–13.07.2013

Vom 06. bis 13. Juli kam Prof. Tzvi Abusch (Brandeis University), ein führender Kenner der in Keilschrift überlieferten magischen Texte, zu einem Arbeitsaufenthalt nach Berlin. Im Rahmen des TP A01 ging es um die Frage, auf welche Weise Textformate übertragen, neu kreiert bzw. kombiniert werden können und welche Rolle einerseits die formale Struktur, und andererseits die innere Organisation der Texte für die epistemische Qualität des Wissens spielen. Die von Abusch präsentierten und diskutierten Materialien bilden die Grundlage eines der am besten erforschten „professionellen“ Korpora, d.h. einer Gruppe von Texten, die mit einer bestimmten Berufsgruppe assoziiert sind. Diese Art Konvoluten steht am Ende einer langen Reihe von Rekonfigurationsprozessen, die eine interessante Parallele zu den Rekonfigurierungen der lexikalischen Materialien bilden.

Im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Aufenthalts standen:

  • die Arbeit an einem mythologischen Text (Enūma Eliš), dessen Entstehungszeitraum und -hintergrund umstritten sind. Ausgehend von der These, dass es sich hier eventuell um einen spätbronzezeitlichen Text handeln könnte, wurde versucht, die verschiedenen Mikroverflechtungen zwischen dem Gelehrtenwissen (Listenliteratur), politischen Darstellungen und diesem Text zu identifizieren und nachzuvollziehen.
  • das Problem, wie Texte mit vorwiegend mythologischem Inhalt in eine weiter gefasste Wissensgeschichte eingegliedert werden könnten, statt sie wie sonst üblich als religiöse Texte zu behandeln.
  • der Status von „magischem Wissen“, das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, und die kompositorischen Struktur von magischen Kompendien.
       

Towards a new history of Mesopotamian lexical lists

01–06 June 2013 Prof. Niek Veldhuis visited Berlin as a guest of TP A01. Since Prof. Veldhuis leads the most important digital corpus of Mesopotamian lexical materials and had also just finished what will surely become the most important handbook for the lexical lists tradition, our extensive discussions with Prof. Veldhuis gave the research group a cutting edge overview of this field of specialization. It also built up crucial intellectual connections between FU Berlin and University of California, Berkeley, one of the foremost centers for the intellectual history of Mesopotamia and ancient history of science. Prof. Veldhuis has invited Kaira Boddy and Julia Levenson to Berkeley in order to work with him on lexical materials.

The main topics under discussion were:

  • the best way of building links between distinct corpora in digital formats. This topic is central to the work of the A01 going forward, since we will increasingly focus on intertextuality, a topic to which Prof. Veldhuis has given a great deal of thought.
  • the current state of his work on the major lexical compendia as well as a first of several discussions about his new book. Thanks to Prof. Veldhuis, the members of A01 were about to read a PDF of his book in advance and were thus able to formulate questions and points of discussion that were built directly on Prof. Veldhuis’ latest findings.
  • how to identify distinct groups of intellectuals and technical specialists in the cuneiform record.