Der Transfer der Studienregularien der Weißhirschhöhlen-Akademie in China und Korea

Unterprojekt von Martin Gehlmann

 
Durch seine Rolle bei der Wiederbelebung der Weißhirschhöhlen-Akademie wird das Aufkommen der konfuzianischen Akademien während der Song-Dynastie mit dem Gelehrten Zhu Xi (1130–1200) in Verbindung gebracht. Das Unterprojekt untersucht, in welchem Maße die sich entwickelnde Akademiekultur auf das Konzept der Weißhirschhöhlen-Akademie sowie der damit verbundenen Institutionen (Curriculum, Studienregularien, rituelle Aktivitäten, usw.) als Modell rekurrierte und dieses modifizierte, kritisierte oder ignorierte. Obwohl die Lehren des Zhu Xi von der Yuan-Dynastie bis zur Ankunft der Moderne als orthodoxe Interpretation des konfuzianischen Kanons galten, wurden seine praktischen Instrumente für die Realisierung konfuzianischer Bildung oftmals im Kontext der jeweiligen historischen, intellektuellen und sozialen Strömungen verändert. Das ursprüngliche Konzept der Akademie als Bildungsinstitution für die Schüler Zhu Xis wurde von nachfolgenden konfuzianischen Gelehrten systematisch genutzt, um eigene Lehren außerhalb des staatlichen Bildungssystems zu institutionalisieren. Die herausragende Rolle für die Verbreitung der konfuzianischen Akademien nicht nur in China, sondern auch in den benachbarten Ländern, kommt den durch Zhu Xi aufgestellten Studienregularien der Weißhirschhöhlen-Akademie zu. Noch heute als Manifest der Akademiebewegung und Ausdruck ihrer Bildungsideale betrachtet, verhinderte die kanonische Geltung der Regularien jedoch nicht ihren Wandel im Transfer. Das Unterprojekt befasst sich mit diesem Wandel unter besonderem Fokus auf Yuan- und Ming-zeitliche Akademien sowie der Aufnahme des chinesischen Akademiekonzepts im Korea des 16. und 17. Jahrhunderts.