Stand der Dinge

Ziele

Das Projekt erforscht in Kooperation mit dem Museum für Islamische Kunst Berlin transkulturelle Bezüge der Sammlung und entwickelt Konzepte, wie Besuchern aktuelle Forschung zu transkulturellem Transfer in kulturräumlich geschlossenen Sammlungen vermittelt werden kann.

 

Objekte

    

Um deutlich zu machen, dass transkultureller Transfer keine Randerscheinung ist, sondern konstitutiv für die Produktion und Funktion von Artefakten, untersucht das Projekt eine große Bandbreite von Objekten verschiedener Epochen und Regionen. Dabei werden sehr unterschiedliche Formen des Wissenstransfers thematisiert – vom chemischen Geheimwissen der Lüsterproduktion bis zur Transformation des Regelwissens in der Transfergeschichte des Schachspiels.

   

Konzeption

  

Das Projekt thematisiert transkulturelle Bezüge und transfergeschichtliche Biographien von Objekten, die quer zu den kulturräumlichen Begrenzungen der musealen Sammlungen und den teleologischen Masternarrativen regionaler Entwicklungsgeschichten verlaufen. Objekte werden also in ihrem Potential fokussiert, museale Kategorien – in diesem Fall der „islamischen“ Kunst – und teleologische Entwicklungsnarrative zu durchkreuzen. Der Blick auf die Objekte ist somit entscheidend, um Differenzen zwischen den historischen Transfergeschichten und der institutionellen Wissensordnung der Museen zu erkennen.

Daher ist es unser Ziel, die Betrachter möglichst wenig vom Objekt abzulenken, sondern zu einer genauen Betrachtung der Objekte anzuregen. Um Masternarrativen entgegenzuarbeiten, wollen wir dabei nicht nur alternative Narrative als Ergebnisse der aktuellen Forschung formulieren, sondern offene Fragen, Widersprüchlichkeiten und Probleme der Forschung in den Raum stellen.

 

Interventionen

Das Projekt entwickelt in Kooperation mit der Kommunikationsdesignerin Marlene Kettner verschiedene Formate von Interventionen, die in der Sammlung des Museums für Islamische Kunst Berlin erprobt werden.

Digitale Interventionen

 

In Zusammenarbeit mit MindTags entwickelt das Projekt eine digitale Vermittlungsplattform. Sie ermöglicht es, mit verschiedenen Endgeräten sowohl vor Ort – durch QR-Codes und NFC-Tags – als auch im Netz auf die Vermittlungsangebote zuzugreifen. So werden die digitalen Angebote vor dem Objekt verfügbar gemacht – und zugleich das Objekt im Netz. Die Plattform und ihr CMS werden nach ihrer Fertigstellung Open Source als Quellcode mit MIT-Lizenz zur Verwendung in anderen Projekten zur Verfügung gestellt.

Bis dato wurde die Plattform in einer vorläufigen Version programmiert und mit der Forschung zu zwei Objekten getestet und evaluiert. Die Ergebnisse fließen 2015 in die Vollprogrammierung ein.

  

Gucklöcher

  

Es ist uns wichtig, dass die Interventionen die kulturräumliche Begrenzung des „Museums für Islamische Kunst“ nicht nur im ‚grenzenlosen‘ virtuellen Raum unterlaufen, sondern auch im realen Raum. Deshalb haben wir Gucklöcher entwickelt, die durch die Wände des Museums hindurch einen Blick auf Bezugsobjekte in anderen Berliner Museen eröffnen und damit darauf aufmerksam machen, dass die vermeintlich neutralen Wände der Museen quer zu den Prozessen des Transfers stehen.

   

Hands-on

  

Hands-on-Angebote sollen eine aktive und physische Auseinandersetzung mit den Objekten fördern. Deshalb testen wir z.B. gerade eine Intervention, in der Besucher beim Zusammenfügen von geschnitzten Elfenbeinhörnern die Erfahrung machen können, wie schwierig die Unterscheidung zwischen als byzantinisch, islamisch oder italienisch klassifizierten Luxusgegenständen des mittelalterlichen Mittelmeerraumes ist.

 

Corporate Design

 

In den unterschiedlichen Formaten der Interventionen wiederholen sich Formen, die entstehen, wenn sich „Spuren des Transfers“ kreuzen. So machen die Interventionen an verschiedenen Stellen der Sammlungen die Formen sichtbar, die in einem Netz des Transfers entstehen.

  

Seit Oktober 2014 sind testweise sechs Interventionen in der Sammlung umgesetzt, zurzeit läuft die Evaluation durch Besucherbefragung. Über Rückmeldungen, Kritik und Kommentare unter transfer@sfb-episteme.de freuen wir uns.

  

Stand Oktober 2014