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Assoziiertes Projekt von Dr. Carmen Schmechel

Fermentation: Eine Wissens- und Kulturgeschichte

Die Fermentation ist eines der umstrittensten Naturphänomene in der Geschichte wissenschaftlichen Denkens. Seit der Antike hat sie das Interesse von Philosophen, Alchemisten und Physiologen geweckt, die der Fermentation eine Rolle nicht nur in der Lebensmittelverarbeitung, sondern auch in der Herstellung von Edelmetallen, in der Produktion von Blut, und sogar im Wachstum von Lebewesen zuschrieben. Trotz der Allgegenwärtigkeit der Fermentation im westlichen Denken gibt es keine umfassendere historische Studie, die diesen diversen Fermentationstheorien Rechnung tragen würde. Die vorliegende Studie beabsichtigt demnach eine – wenn auch bei weitem nicht erschöpfende – Rekonstruktion dieser mannigfaltigen Geschichte, deren verschiedene Dimensionen (wie etwa das Verhältnis von Fermentation und Putrefaktion zu Krankheit und Gesundheit) in unserer heutigen Welt noch immer präsent sind. Darüber hinaus wird untersucht, wie Gelehrte eine Reihe von Phänomenen nicht nur in der Natur, sondern auch in der menschlichen Kultur als ‚Fermentationen‘ interpretiert haben. Das Erkenntnisinteresse dieses Forschungsprojektes besteht somit darin, die Relevanz von Fermentationstheorien als übergeordneten Rahmen für unser Verständnis der Natur sowie des menschlichen Selbst im westlichen Denken herauszuarbeiten. Durch das Unterstreichen des Transfers von (fermentationsbezogenen) Erkenntnismodellen, beispielsweise von der Chemie in die Philosophie, leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Annäherung der Geistes- und Naturwissenschaften, wie sie heute von führenden Wissenschaftshistoriker/innen gefordert wird.

Gefördert von der DFG, Projektnummer 432256662