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WissensFragen – Der SFB 980 im Gespräch mit ...

21.04.2017

Ort
Veranstaltungsreihe
Veranstaltungsreihe

Der Sonderforschungsbereich 980 lädt im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedensten Forschungsbereichen ein, um wissensgeschichtliche Perspektiven und Positionen zu sondieren und Buchneuerscheinungen zu diskutieren.

                            

Freitag, den 21.04.2017, 10:00 c.t.

Prof. Dr. Stefan Willer, Zentrum für Literaturforschung Berlin

’Es muss eine Zeit kommen’ - Zum Wandel des Zukunftswissens im 18. Jahrhundert

'Zukunftswissen' bezeichnet einerseits Wissen über die Zukunft, andererseits Wissen, das erst in Zukunft vorliegen wird - eine doppelte Futurität, die diese Episteme auf besondere Weise 'in Bewegung' setzt. Der Vortrag thematisiert die Wandlungen des Zukunftswissens im Lauf des 18. Jahrhunderts, in einer Schwellensituation zwischen Vormoderne und Moderne. Erläutert und diskutiert werden die vielfältigen Spannungen zwischen weltlich-immanenten und metaphysisch-transzendenten Zukunftsmodellen, zwischen Ahnung und Planung, Vorausschau und Vorsicht, zwischen "Wissen und Nichtwissen der Zukunft" (J.G. Herder).

Aufgrund der begrenzten Platzzahl wird um Anmeldung gebeten: info@sfb-episteme.de

             

Freitag, den 5.05.2017, 10:00 c.t.

Silvia Hufnagel PhD, Österreichische Akademie der Wissenschaften

"Alt und neu - Wechselseitiger Einfluss von Druck und Handschrift an Titelseiten in isländischen Handschriften des 16. und 17. Jahrhunderts"

In ihrem Forschungsprojekt untersucht Silvia Hufnagel, wie sich das neue Medium des Buchdrucks auf das alte Medium der Handschrift in Island des 16. und 17. Jahrhunderts auswirkt. Als Beispiel dafür dienen Titelblätter, eine Innovation des Buchdrucks, die sich aber auch in Handschriften finden, welche nach Gutenbergs Erfindung geschrieben wurden. Ein Fokus liegt auf der Frage wer hinter den Innovationen und Einflüssen stand, welchen Zweck sie verfolgten und wie die isländische Gesellschaft darauf reagierte. Methoden zur Analyse stammen aus den Bereichen der Literatursoziologie, der quantitativen Kodikologie und Kunstgeschichte.

Silvia Hufnagel ist Marie-Skłodowska-Curie Fellow an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Das Projekt "Old and New" wird unter der Vertragsnummer 658813 von der Europäischen Union im Rahmen des Programms Horizon 2020 für Wissenschaft und Forschung gefördert.

Gastvortrag auf Einladung des anglistischen Teilprojekts B01 "Materialität und Geschichtlichkeit in der Literatur des englischen Mittelalters" (Leitung: Prof. Dr. Andrew James Johnston).

    
Freitag, der 9.06.2017, 12:30 s.t.

Florian Lippke, BIBEL+ORIENT Museum Universität Freiburg (CH)

"Weltzugänge prähellenistischer Epochen – Über antik-kulturelle Grundlagen und ihre Bedeutung für den heutigen Religionsdiskurs"

Dokumentation und Kodifizierung von (Welt-)Wissen ist in hohem Maße von epochalen Parametern abhängig. Das Erheben und Entschlüsseln dieser Parameter ermöglicht ein adäquat-historisches Verständnis antiker Religionen und ihrer jeweiligen Symbolsysteme. Im Rahmen des Vortrages werden Fragen nach Gegenstand, Theorie und Methode bei der Erhebung antiker Symbolsysteme gestellt und für den östlichen Mittelmeerraum beantwortet. Exemplarisch liegt ein Akzent auf der Herausbildung der Heiligen Schriften in Judentum, Christentum und Islam in vergleichender Perspektive. Die Auswirkungen der prähellenistischen Grundlagen auch für hellenistische, römische und byzantinisch-spätantike Diskurse werden darüber hinaus aufgezeigt und zur Diskussion gestellt.

Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Besuch des Pergamonmuseums mit Florian Lippke. Bei der Führung werden vom Vortragenden ausgewählte Objekte vorgestellt.
Treffpunkt: nach dem Vortrag (ca. 14:00) in SFB 980 mit anschließender gemeinsamer Fahrt zum Pergamonmuseum (öffentliche Verkehrsmittel).

Florian Lippke, Theologe und Altertumswissenschaftler, studierte in Tübingen, Jerusalem und Bern Evangelische und Römisch-Katholische Theologie nebst der vorderasiatischen Archäologie, der altorientalischen Philologie und der Ägyptologie. An allen drei Studienorten war er als Assistent und Dozent tätig. Neben der Studienleitertätigkeit am „Laurentius-Klein-Lehrstuhl für Biblische und Ökumenische Theologie“ in Jerusalem unterrichtete er während der letzten Dekade vornehmlich an Hochschulen in Europa und im Nahen Osten. Aktuell bekleidet Lippke das Amt des Kurators für Vorderasien und Levante am BIBEL+ORIENT Museum der Universität Freiburg. Seine Spezialgebiete sind semitische Sprachen, biblische Exegese und die Archäologie Syrien/Palästinas unter Einbezug der mediterranen Religions- und Kultur- und Mediengeschichte.

Gastvortrag auf Einladung des arabistischen Teilprojekts A05 "Von Logos zu Kalām: Figurationen von Sprachwissen in der vorderorientalischen Spätantike" (Leitung: Prof. Dr. Angelika Neuwirth).
           


Zurückliegende Veranstaltungen:

             

Freitag, den 3.02.2017, 10:00 c.t.

Prof. John Magee, University Toronto

"Aristoteles und Boethius - eine Überlieferungsgemeinschaft im Frühmittelalter"

Prof. Dr. John Magee ist klassischer Philologe, Philosoph und Mediävist an der University of Toronto, dessen Forschungsschwerpunkte in der spätantiken Philosophie, der Kommentartradition und der Textkritik liegen. Zurzeit arbeitet er an einer kritischen Ausgabe zu Boethius’ ersten De interpretatione-Kommentar und einer Übersetzung von Calcidius.

In seinem Vortrag im Jour Fixe wird John Magee zu der frühmittelalterlichen Texttradition von Boethius’ logischen Schriften (insb. dem ersten Kommentar zu De interpretatione) und dem damit verbundenen Einsetzen der Überlieferung des Aristoteles Latinus vortragen.

Gastvortrag auf Einladung des Teilprojekts A04 "Prozesse der Traditionsbildung in der De interpretatione- Kommentierung" (Leitung: Prof. Dr. Gyburg Uhlmann).

                               

Montag, den 4.07.2016, 17:00 s.t.

Reciting, Singing, Listening - Musical Inspiration in Arabic Studies

Dwight Reynolds, University of California, Santa Barbara: “Musical Revolution in al-Andalus: From Sawt to Muwashshah”

Devin Stewart, Emory University, Atlanta: “Rhyme and Rhythm in the Qur’an”

Reciting and singing on the one hand, listening on the other, are activities that have played a particularly important role in Arabic intellectual culture by triggering processes of knowledge transfer over several centuries up until today. Already in the Qur’an, recitation serves as a strategy of self-authorization, while at the same time, from the earliest stage, the revelations are emphatically distinguished from poetry and other forms of rhyming and rhythmic speech. Devin Stewart is one of the most important experts in this field and has dealt extensively with rhymed and rhythmic forms of discourse in the milieu of the Qur’an as well as with their relation to the Qur’an. Musical and poetic inspiration, however, are not only at stake with the genesis of the Islamic foundational text, but have been important motors for intellectual innovation and epistemic change later one as well. The intricate interrelations of cultural and religious dynamics with oral traditions, folklore, music and poetry in Arabic societies – notably but not exclusively in a Muslim Spanish context – have been extensively investigated by Dwight Reynolds.

Together with our two speakers, we wish to engage with the different ways knowledge is shaped through oral and aural activities such as reciting, singing and listening. This promises to give broader insights into the impact of the sensual on knowledge formation and change in two exemplary contexts.

Guest lecture by the invitation of research group A05 “From Logos to Kalām: Figurations and Transformations of Knowledge in Near Eastern Late Antiquity” (Head: Prof. Dr. Angelika Neuwirth).

          

Dienstag, den 31.05.2016, 15:00 Uhr c.t.

Dr. Peter Tóth, British Library

"Byzantine Reuses of Early Christian Revelation-Dialogue"

Supernatural revelations of a divine figure (Christ or an angel) appearing before and conversing with a New Testament character (usually one or more of the apostles) were very popular in Early Christian literature. Besides being one of the most characteristic genres of gnostic literature, manifested in emblematic writings like the Sophia of Jesus Christ or theApocryphon of James, this literary pattern, often described as OffenbarungsdiskursDialog-or Erscheinungsevangelium, occurs in many other non-gnostic writings, such as Epistle of the Apostles or the Testament of the Lord, alike. It is much less known, however, that beside these early works of the 3-4th centuries there exists a rather large group of Byzantine texts, some of them still unedited and un-investigated, that use the same literary pattern of a revelation-dialogue. This talk focuses on these later Byzantine “apocryphal texts” investigating why and how the Early Christian genre of pseudo-biblical revelation-dialogue was re-used in the Middle Ages. After a short introduction to the history of the genre, I make an attempt to survey and systematize the extant Byzantine revelation-dialogues formulating a new theory about the origin and genesis of the surprisingly large number of Byzantine apocryphal revelations.
       
Peter Tóth earned his MA in Egyptology and Classics and his PhD in Classics at the University of Budapest. After a ten-year curatorship of medieval manuscripts at the University Library Budapest, he had various research projects at The Warburg Institute and King’s College London before he joined the British Library in 2016 as curator of ancient and medieval manuscripts. His main interest is in cultural interaction in Late Antiquity and the Middle Ages via translations of texts and ideas from one language and tradition to the other. Besides editions and studies of unedited Latin, Greek and Syriac hagiographic texts, his research shed new light on the origin of texts like the Letters of St Anthony of Egypt or the Pseudo-Bonaventurean Meditationes Vitae Christi. He is currently working on the new critical edition of the pseudonymous Greek writings attributed to Justin the Martyr and a major monograph on the transmission of Classical dramatic traditions in Greek and Latin patristic homilies.

Gastvortrag auf Einladung des Teilprojekts C01 "Wissenstransfer in den antiken christlichen Apokryphen" (Leitung: Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies).


Freitag, den 20.05.2016, 10:00 Uhr c.t.

Prof. Dr. Achim Landwehr, Universität Düsseldorf

"Chronoferenzen. Von anwesenden und abwesenden Zeiten"

Mit der Vergangenheit kann man sich nicht beschäftigen – schließlich ist sie vergangen. Man kann sich für die Vergangenheit interessieren, man kann sie sich vorstellen, man kann sich auch dem Material widmen, das aus dieser Vergangenheit in einer Gegenwart übriggeblieben ist. Aber der Zugang zu dieser Vergangenheit bleibt uns auf weiteres verwehrt. Historisches Arbeiten entpuppt sich vor diesem Hintergrund als ein zutiefst paradoxes Unterfangen, insofern es die Spannung einer anwesenden Abwesenheit behandelt.Diese Möglichkeiten einer Gegenwart, sich auf abwesende Zeiten (Vergangenheit und Zukunft) zu beziehen, soll auf den Namen ‚Chronoferenzen‘ hören.

Chronoferenzen bieten die Möglichkeit, konventionelle Formen historischer Kausalität und zeitlicher Linearität hinter sich zu lassen, um stattdessen die wesentlich vielfältigeren Formen in den Blick zu nehmen, wie Kollektive mit den Problemen umgehen, die ihnen die Zeit stellt. Mit einer entsprechenden zeittheoretischen Grundierung lassen sich diverse grundsätzliche Probleme, die im Zusammenhang mit ‚Geschichte‘ immer wieder diskutiert werden, in ein anderes Licht rücken: Das Material aus der Vergangenheit (vulgo „Quellen“) offenbart neue Möglichkeiten hinsichtlich seiner Medialität; das Ereignis wird zu einem Zeit-Ort, an dem das Verhältnis anwesender und abwesender Zeiten behandelt werden kann; und die Wirklichkeit des Vergangenen wird zu einem Ergebnis komplexer temporaler Transformationsprozesse. ‚Geschichte‘ erweist sich vor diesem Hintergrund nicht mehr als der alles erklärende Gottersatz, der zeigen kann, wieso die Dinge (geworden) sind, wie sie sind, sondern das Historische zeigt sich als ein sehr vielfältiges, lebendiges und daher auch immer umkämpftes Geflecht, in dem unterschiedliche Zeiten aufeinander bezogen werden.

Gastvortrag auf Einladung des Teilprojekts C07 "Early Modernities in Ostasien: Aktuelle Debatten zu den Ursprüngen der Moderne" (Leitung: Prof. Dr. Sebastian Conrad).

Aufgrund der begrenzten Platzzahl wird um Anmeldung gebeten: info@sfb-episteme.de


Freitag, 31.10.2014, 12:00 Uhr c.t.

PD Dr. Ralf Klausnitzer, Humboldt-Universität zu Berlin

„Epistemische Situationen, Asymmetrien, Verlaufsformen. Konzepte zur Beschreibung und Erklärung von Wissenstransfers“

Diskussion der Buchneuerscheinung: Wissenstransfer. Konditionen, Praktiken, Verlaufsformen der Weitergabe von Erkenntnis, hg. v. Jan Behrs, Benjamin Gittel, Ralf Klausnitzer, Frankfurt am Main: Peter Lang 2013.

Wissen ist nicht zu denken ohne seine unter historisch variablen Konditionen realisierte Vermittlung. Erkenntnisse und Methoden werden an unterschiedlichen Orten und mit historisch variablen Praktiken transferiert. Der Band schafft Grundlagen, um die komplexen Vorgänge der Weitergabe, Aufnahme, Adaptation und Modifikation von Wissen zu analysieren. Dazu werden Begriffe zur Beschreibung und Erklärung von Prozessen des Wissenstransfers definiert, Konditionen und Praktiken der aktiven Mediatisierung epistemischer Bestände erläutert, Verlaufsformen der Weitergabe von Erkenntnissen rekonstruiert und eine umfassende Bibliographie der Forschungsbeiträge zum Thema verfügbar gemacht. Aufgrund seiner interdisziplinären Ausrichtung stellt der Band instruktive wissenschaftstheoretische und -praxeologische Einsichten bereit, die nicht nur für die Selbstreflexion der textinterpretierenden Disziplinen, sondern auch für andere wissenschaftliche Fächer wichtig werden können. (Klappentext zum Buch)

Zeit & Ort

21.04.2017

SFB-Villa, Schwendenerstraße 8, Sitzungsraum, 14195 Berlin-Dahlem