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Universitätsringvorlesung im Sommersemester 2016 „2400 Jahre Aristoteles und Aristotelismen“

Ringvorlesung des SFB 980 „Episteme in Bewegung“ und des Aristotelismus-Zentrums Berlin anlässlich des Aristoteles-Jahres im Rahmen des Programms „Offener Hörsaal“
  

News vom 09.02.2016

2016 jährt sich der 2400. Geburtstag des Aristoteles. Kaum ein anderer Philosoph hat so weit und so tief gewirkt wie Aristoteles. Und kaum ein anderer Philosoph wurde so unterschiedlich gelesen und interpretiert. Die Geschichte des Aristoteles ist daher die Geschichte der vielen Aristotelismen, die aus seinen Schriften entwickelt wurden.

Aristoteles war immer ein Philosoph der Schule. Das beginnt bereits damit, dass seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. von Aristoteles nicht mehr seine publizierten Schriften im Zentrum des Interesses standen, sondern die Texte, die er im Kontext des Unterrichts in der Akademie in Athen für seine Schüler produziert hatte. Das Corpus Aristotelicum, das wir haben, basiert auf diesen Schulschriften, die Andronikos von Rhodos in Rom herausgegeben hatte. Es besteht aus einführenden logischen Schriften, dem sog. Organon (was so viel heißt wie „Werkzeug“ zum Philosophieren), den ethischen Schriften, den Vorlesungen zur Physik und anderen naturwissenschaftlichen (physikalischen und biologischen) Vorlesungen, Lehren zu psychologischen Fragen, Schriften zur Politik, Vorlesungen zur Rhetorik und der Poetik.

Texte aus der Schule und für die Schule werden viel gelesen. Das setzt sie Prozessen der Veränderung aus, aber auch der Stabilisierung und Traditionsbildung. Wir sehen das schon in den antiken Lektüren. Hier gibt es eine enge Verbindung von Lektüre und Kommentar. Wenn wir den Text auf der Basis unserer Überlieferung herstellen wollen, müssen wir diese enge Verflechtung berücksichtigen. Und das gilt auch, wenn wir Aristoteles heute erklären und verstehen wollen.

Aristoteles war in der Spätantike und im byzantinischen, lateinischen und arabischen Mittelalter ein Autor der Schule und für die Schule. Er wurde für die Schule kommentiert. Genau in diesem Sinn ist er ein Autor der Scholastik. Denn das besagt der Ausdruck „Scholastik“ eigentlich: eine Methodik für die Schulinterpretation zentraler Autoren. „Der“ Philosophus überhaupt aber war im Mittelalter Aristoteles.

Freilich, das hohe Niveau der Schulkommentare und der Auslegungen im Schulkontext darf man weder in der Platonischen Akademie des 4. Jahrhunderts noch in den Philosophenschulen der Spätantike oder den kirchlichen Schulkontexten des Mittelalters unterschätzen. Es ist ein gelehrter, wissenschaftlicher Unterricht, der den Namen „akademisch“ nicht nur aufgrund seiner Herkunft aus der Akademie Platons trägt, sondern auch in unserem heutigen Sinn, weil in ihm die akademisch-intellektuellen Debatten der Zeit geführt wurden.

Die Ringvorlesung möchte aus Anlass des Aristoteles-Jahrs, das wir 2016 feiern, in die wichtigsten Vorlesungen und Schriften des Aristoteles einführen. Die Vortragenden, die sämtlich renommierte und innovative Aristoteles-Forscherinnen und -Forscher sind, präsentieren die verschiedenen Schriften zugleich aus ihrem Schulkontext und in der Reflexion durch Kommentare und Interpretationen. Sie zeigen damit auf, wie die Logischen Schriften, die Physik und die anderen naturwissenschaftlichen Vorlesungen, die Psychologie und die Ethik, die Politik, die Rhetorik und Poetik und nicht zuletzt die Metaphysik in der Geschichte des Aristotelismus und der Aristotelismus tradiert und weitergedacht wurden.
   

Programm

Mit Vorträgen von:

Die Ringvorlesung findet im Sommersemester 2016 jeweils mittwochs, 18–20 Uhr an der Freien Universität Berlin statt. Das genaue Programm wird in Kürze bekanntgegeben.

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