Träumende Pferde und träumende Propheten: Aristoteles’ Schriften zu Schlaf und Traum und ihre Rezeption in der griechischen, lateinischen, arabischen und hebräischen Tradition

26.06.2018 - 27.06.2018
„The Seven Sleepers of Ephesus“, Folio from a Falnama (Book of Omens), 1550.

„The Seven Sleepers of Ephesus“, Folio from a Falnama (Book of Omens), 1550.
Bildquelle: Rogers Fund, 1935.

Workshop des philosophischen Teilprojekts B03 „Imaginatio. Imaginatives Sehen und Wissen – Theorien mentaler Bildlichkeit in Philosophie und Theologie des Mittelalters“ (Leitung: Prof. Dr. Anne Eusterschulte)
  

Wie ist es möglich, im Traum Wissen über die Zukunft zu erlangen oder göttliche Botschaften zu empfangen? Diese Frage beschäftigte zahlreiche mittelalterliche Philosophen und stand im Zentrum vieler psychologischer und theologischer Überlegungen. Aristoteles’ Auffassung, dass Träume keinen göttlichen Ursprung haben – warum sollten sonst beispielsweise auch die Tiere träumen? – lässt sich kaum mit den religiösen Überlieferungen in Einklang bringen, die von zahlreichen Offenbarungen Gottes im Traum berichten. Ausgehend von den Schriften De SomnoDe Insomniis und De Divinatione per Somnum soll zunächst Aristoteles’ Auffassung zur Entstehung und Funktion der Träume, sowie seine Erklärung für Zukunftsvorhersagen im Traum diskutiert werden. Im Anschluss widmen wir uns anhand von (originalsprachlichen) Ausschnitten einigen Übersetzungen, Kommentaren und Interpretationen mit Fokus auf deren je spezifischen Umgang sowohl mit dem aristotelischen Text, als auch mit der Frage nach der Möglichkeit von Offenbarungsträumen. Dr. Rotraud Hansberger wird anhand der arabischen Fassung der Parva Naturalia, dem Kitāb al-Ḥiss wa-l-maḥsūs, eine besonders interessante Art der Rezeption und Modifikation vorstellen, aufgrund derer Aristoteles für einige muslimische und hebräische Philosophen gerade zum Gewährsmann der gottgegebenen Träume werden konnte.
     

Dr. Rotraud Hansberger beschäftigte sich bereits in ihrer Doktorarbeit mit dem Titel „The transmission of Aristotle's Parva naturalia in Arabic“ (Oxford 2007) mit dem Kitāb al-Ḥiss wa-l-maḥsūs. Nach einer Zeit als Research Fellow in Cambridge und London ist sie derzeit akademische Rätin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und bereitet die Edition des Textes vor („Kitāb al-Ḥiss wa-l-maḥsūs: The Arabic Version of Aristotle’s Parva Naturalia. Edition, Translation and Study of the text preserved in MS Rampur 1752“). Ihr Artikel „How Aristotle Came to Believe in God-given Dreams: The Arabic Version of De divinatione per somnum“ bietet einen Überblick über die arabische Rezeption der aristotelischen Schriften zu Schlaf und Traum, die im Zentrum des zweiten Workshoptages stehen wird.

      
Der Workshop wurde konzipiert von Anne Eusterschulte, Beate La Sala, Hanna Zoe Trauer (SFB 980, Teilprojekt B03) in Kooperation mit Lukas Mühlethaler (Institut für Judaistik / Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien).

  
Die Teilnahme ist unabhängig von Sprachkenntnissen möglich; es wird stets eine Übersetzung bereitgestellt.

Über eine Anmeldung an hannazoe.trauer@fu-berlin.de würden wir uns freuen.  

Zeit & Ort

26.06.2018 - 27.06.2018

Dienstag, 26. Juni, 14–17 Uhr
Mittwoch, 27. Juni, 10–16 Uhr

Sitzungsraum, SFB-Villa, Schwendenerstraße 8, 14195 Berlin-Dahlem

Weitere Informationen

Hanna Zoe Trauer: hannazoe.trauer@fu-berlin.de