Things and Thingness in Medieval Literature, Culture, and Art

Interdisziplinärer und internationaler Joint Workshop des germanistischen Teilprojekts B02 „Das Wunderbare als Konfiguration des Wissens“ in Zusammenarbeit mit dem German Department der Stanford University, 11.–13.04.2019

11.09.2019

Stanford, Cantor Arts Center, Kreuzigung, italienisch, zweite Hälfte 14. Jh., Tempera auf Holz. Bildquelle: Iris & B. Gerald Cantor Center for Visual Arts at Stanford University; Gift of Mortimer C. Leventritt.

Stanford, Cantor Arts Center, Kreuzigung, italienisch, zweite Hälfte 14. Jh., Tempera auf Holz. Bildquelle: Iris & B. Gerald Cantor Center for Visual Arts at Stanford University; Gift of Mortimer C. Leventritt.

Bericht von Iris Helffenstein

Der interdisziplinäre und internationale Joint Workshop, organisiert vom germanistischen Teilprojekt B02 „Das Wunderbare als Konfiguration des Wissens in der Literatur des Mittelalters“ (Leitung: Prof. Dr. Jutta Eming) in Zusammenarbeit mit Prof. Kathryn Starkey von der Stanford University, schloss als zweiter Teil an die Auftaktveranstaltung „Things in Medieval Literature, Society, and the Visual Arts“ an, die im September 2018 in Berlin stattgefunden hatte. Die Workshop-Reihe wurde mit dem Ziel initiiert, die Pluralität der dingtheoretischen Zugänge dies- und jenseits des Atlantiks zur Geltung zu bringen und neben neueren Ansätzen zu Materialität und Handlungspotential von Objekten auch eingeführte Überlegungen zu Zeichen- und Repräsentationsverhältnissen (etwa die Allegorie) einzubinden. Beim Besuch in Stanford diskutierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler des SFB 980 aus dem anglistischen Teilprojekt B01 (Martin Bleisteiner, Jan-Peer Hartmann), dem germanistischen Teilprojekt B02 (Falk Quenstedt, Tilo Renz) und dem kunsthistorischen Teilprojekt B04 (Iris Helffenstein, Claudia Reufer) nun mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Stanford University individuelle und gemeinsame Positionen für einen geplanten Sammelband. Gegenstand der Gespräche waren dabei neben den jeweiligen Beiträgen der Teilnehmenden auch Werke aus dem Cantor Art Museum und den Sammlungen von Handschriften und frühen Drucken der Universität, die bei gemeinsamen Besuchen in Augenschein genommen wurden.

Die Diskussionen des Workshops zielten auf die Rolle von erzählten oder beschriebenen Dingen in Texten unterschiedlicher Genres, durch künstlerische Verfahren dargestellte Dinge in Büchern sowie den Dingcharakter von Büchern und Kunstwerken selbst im Kontext ihrer Produktions- und Rezeptionsweisen. Anhand der Kategorien Materialität und Immaterialität, der Dinglichkeit von Büchern, der Narration und der Assemblagen wurden unterschiedliche Konzeptionen von und Umgangsweisen mit Dingen in Mittelalter und Früher Neuzeit in interdisziplinärer Perspektive miteinander in Dialog gebracht. Vor dem Hintergrund aktueller Theorieangebote u.a. aus dem Bereich der Things Studies, der Akteur-Netzwerk-Theorie und der Material Culture Studies wurde anhand konkreter Fallbeispiele etwa der Frage nachgegangen, wie das Verhältnis von Ding und Mensch konzipiert ist; inwiefern materielle Beschaffenheiten und immaterielle Bedeutungen oder auch Modi des Spirituellen in ein produktives Spannungsverhältnis gebracht werden; wie Dinglichkeit und materielle Produktion sich zu poietischen Anliegen literarischer Texte verhalten; welche Rolle Dinge und ihre „Agency“ sowie ihre Rezeptionsweisen in Gesellschaften und Prozessen der Vergemeinschaftung spielen; und welches epistemische Potential die erzählten, evozierten oder dargestellten Dinge in ihren jeweiligen Kontexten entfalten.

Der von Jutta Eming und Kathryn Starkey herausgegebene Sammelband wird 2020 in der Reihe „Sense, Matter, and Medium. New Approaches to Medieval Literary and Material Culture“ (Berlin: De Gruyter) erscheinen.