Die Sprache des Bewusstseins und das Bewusstsein von Sprache im Alten Orient

17.11.2014 | 09:00 - 19:00

Workshop des Teilprojektes A01 "Episteme als Konfigurations-Prozess: Philologie und Linguistik im „Listenwissen“ des Alten Orients" (Leitung: E. Cancik-Kirschbaum/J. Klinger)
      

Die ältesten Materialien, die deutliche Beweise für eine eindeutig linguistische Konzeptualisierung der Welt liefern, sind die Lexikalischen Listen aus Mesopotamien (ca. 3300 v. Chr. – 200 n. Chr.). Die mesopotamische Tradition der auf Listen basierenden Notation und Analyse war, zumindest auf der mikrotextuellen Ebene, häufig nach orthographischer Form organisiert, entwickelte allerdings auch abstraktere Organisationsmodelle, die ein Bewusstsein für semantische Felder und strukturelle Merkmale wie semitische Wurzeln implizieren. In den sogenannten “Old Babylonian Grammatical Texts” (OBGT) findet sich zum Beispiel eine Reihe von Fachtermini in einer indigenen Metasprache, die der Beschreibung von morphologischen Formen des sumerischen Verbes dienen.

An dieser Stelle wird unser Ansatzpunkt unser Konferenz sein. Der Fokus allerdings wird darauf liegen, wie sich das erwähnte metalinguistische Bewusstsein auf andere Bereiche der Keilschriftüberlieferung sowie benachbarte Schriftsysteme, darunter z.B. das Hieroglyphenluwische, auswirkte. Im Besonderen soll nachvollzogen werden, wie sich metalinguistisches Bewusstsein in verschiedenen Bereichen der Schrift niederschlug. Diese Bereiche sind im Einzelnen: a) Die Verwendung von Logogrammen in vornehmlich syllabisch geschriebenen Texten; b) Die Verwendung von rein syllabischen Schreibungen im Rahmen einer vornehmlich logographisch orientierten Schreibtradition (syllabisch geschriebenes Sumerisch); und c) Die Verwendung feststehender (“eingefrorener”) syllabischer Schreibungen in logographischer Verwendung.

Die Hypothese, die im Rahmen der Konferenz zu überprüfen ist, ist jene, dass ein Zuwachs an metalinguistischem Bewusstsein nur im Wechselspiel mit einem zunehmend komplexeren System der metalinguistischen Notation erfolgen kann. In Bezug auf Mesopotamien halten wir den Kontrast zwischen relativ festen Einheiten (Logogrammen und “eingefrorenen” syllabischen Schreibungen) und syllabischen Elementen, die im Rahmen eines relativ freien, regionalen “Dialekts” genutzt wurden, für eine der grundlegenden Wege, das metalinguistische Bewusstsein auf der Notationsebene auszudrücken. Die modifizierte Verwendung von Logogrammen in unterschiedlichen Epochen könnte weitere Hinweise auf die Existenz dieses Phänomens liefern. Diese Hypothese unterstützt auch die laufenden Diskussionen zu den Themen “Materialität von Kommunikation” und der Rolle von Notationspraktiken auf die menschliche Wahrnehmung und die Neurobiologie. 
     

Um Anmeldung wird gebeten.

Kontakt: Dr. Cale Johnson, jcale[at]zedat.fu-berlin.de

Zeit & Ort

17.11.2014 | 09:00 - 19:00

SFB-Villa, Schwendenerstraße 8, Sitzungsraum, 14195 Berlin-Dahlem