Mediale Aushandlungen. Figurationen von Wissen zwischen Malerei und Bildhauerei vom 14. Jahrhundert bis zur Frührenaissance in Italien

Unterprojekt von Prof. Dr. Klaus Krüger und Iris Helffenstein


In der ersten Förderphase fragte das Unterprojekt nach Wissenstransfer in allegorischen Wandbildern des Trecento und nahm damit eine künstlerische Gattung in den Blick, bei der sich Sinngenerierung im Zusammenspiel von medialen und materiellen Faktoren vollzieht. Doch wie verhält es sich, wenn das Kunstwerk haptische Qualitäten erlangt, wenn es Werkstoffe zum Gegenstand macht oder selbst in dreidimensionaler Gegenwärtigkeit erscheint – wenn also die Kategorie der Materialität zu einer (scheinbar) greifbaren Komponente wird? Die Rolle der je spezifischen ästhetischen Verfasstheit von Wand- und Tafelbildern sowie bildhauerischen Werken für Prozesse des Wissenstransfers wird nun also gerade dort untersucht, wo das verwendete, fingierte oder evozierte Material akute Präsenz erhält. Hierfür setzt das Projekt drei Schwerpunkte: Im Zentrum stehen die Imitation oder Evokation bestimmter Werkstoffe und gattungsfremder Merkmale in der Wand- und Tafelmalerei, bildhauerische Werke, wie etwa Reliefs mit Vitenerzählungen, die sich mit vergleichbaren Darstellungen in der Malerei ihrer Zeit auseinandersetzen sowie intermediale Ensembles, die architektonische und skulpturale Komponenten mit Wandbildern kombinieren.

Werden Malerei und Bildhauerei häufig isoliert in ihren jeweils intrinsischen Entwicklungen betrachtet oder im Hinblick auf den Rang einer ‚Leitgattung‘ dichotomisiert, so fokussiert das Vorhaben insbesondere die Interferenzen zwischen ihnen. Jenseits der Debatte um die Anfänge des Paragone geht es vielmehr darum, wechselseitige Annäherungen und Übergänglichkeiten sowie die ästhetischen Effekte medialer Kontrastivität zu bestimmen. Der Fokus liegt dabei bewusst auf einer Zeit vor der normativen und kunsttheoretisch stabilisierten Fixierung von Gattungen und ihren jeweiligen Spezifika. Die Heterogenität der Untersuchungsgegenstände trägt folglich einem ebenso heterogenen Spektrum der Auseinandersetzung mit Medien- und Materialfragen in der künstlerischen Praxis des 14. und frühen 15. Jahrhunderts Rechnung.