Der Sukzessionsgedanke in der Antike: Modelle, Praktiken, Streitfragen (Methodenübung)

(14813)

Dozent/inDr. Tudor Andrei Sala
SemesterSoSe 2014
Veranstaltungsumfang2 SWS
Beginn16.04.2014 | 16:00
Ende16.07.2014 | 18:00

Kommentar

Veranstaltungsthema ist das Konzept von Nachfolge in der Antike. Der Begriff wird von verschiedenen Standpunkten (institutionell, rechtlich, sozial, und geistesgeschichtlich) aus erforscht. Sukzessionsmodelle und -praktiken waren fester Bestandteil antiker Herrschaftsformen, aber auch des antiken Soziallebens und der antiken Wissenschaft und Kultur. Der Sukzessionsgedanke prägte soziale Strukturen, wie z.B. Herrschaftsdynastien, Organisationen und Vereine, Denkschulen (in der Philosophie, Medizin und anderen Wissenschaften) und religiöse Gruppierungen. Die Nachfolge sollte das generationsübergreifende Fortleben von Macht, Reichtum und Wissen ermöglichen. Doch die tatsächliche Übertragung hiervon blieb zumeist eine organisatorische und ideologische Herausforderung. Unterschiedliche Sukzessionsmodelle und kollidierende Ansprüche erschwerten die Sukzession oder stellten sie in Frage. Es sind gerade diese Brüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit und die daraus resultierenden Streitfragen, die für Historiker faszinierend sind. Sie eröffnen Einblicke in die Komplexität antiker sozialer Gefüge. Die Lehrveranstaltung geht verschiedenen Lösungsansätzen des Sukzessionsproblems in den ineinandergreifenden Bereichen der antiken Politik, des antiken Rechtes, der Religion und der verschiedenen Wissensgebiete nach. Durch die kritische Auseinandersetzung mit den Herausforderungen von Thron- oder Amtsnachfolge – über die meist gesetzlich verankerte Erbfolge zur umkämpften Nachfolge der Religionsstifter und der Übertragung von Wissen in den antiken Wissenschaften – eröffnet das Seminar eine neue Perspektive auf die Antike: vom klassischen Griechenland bis zum spätantiken römischen Reich. Der kulturelle und geographische Schwerpunkt wird auf der griechisch-römischen Welt und dem Mittelmeer liegen; es wird aber (zum Vergleich) auch Material aus dem Nahen Osten (z.B. das alte Ägypten, die hebräische Bibel) und Persien (Achämeniden-, Parther- und Sassanidenreich) herangezogen werden. Ein detaillierter Lehrplan mit weiterführender Literatur wird in der ersten Sitzung zur Verfügung gestellt. Im Sommer findet zum Thema eine Konferenz im Exzellenzcluster TOPOI statt.

Literatur

Eine gute Einführung in das Thema bietet der jüngst erschienene Band: Kendra Eshleman, The Social World of Intellectuals in the Roman Empire: Sophists, Philosophers, and Christians, Cambridge, 2012. Siehe auch Robbins Burling, The Passage of Power: Studies in Political Succession, New York, 1974.