Bilder der Seele in Antike/Spätantike und Renaissance

(13441)

TypForschungsseminar
Dozent/inDr. Fabiana Cazzola, Ursula Ziegler
SemesterWS 2014/15
Veranstaltungsumfang2 SWS

Kommentar

Mit der Thematik des Wissenswandels, der Bewegungen und Veränderungen von Wissen in der Vormoderne rückt der SFB 980 nicht nur die Frage der (Re-)Konstitution, sondern auch die Frage des Geltungsanspruchs von Wissen in den Fokus seines Forschungsinteresses (vgl. http://www.sfb-episteme.de). Vor diesem Hintergrund widmen sich die Teilprojekte B03 und B04 insbesondere bildgebundenen Wissensformen und -formierungen.

In dem Seminar wollen wir anhand der Analyse konkreter Beispiele – basierend auf philosophischen Texten, auf kunsttheoretischen Texten und Kunstwerken (Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen) – der Frage nach einem bildlichen Wissen nachgehen. Zunächst soll in gemeinsamer Textlektüre ein platonisches Seelenbild betrachtet werden: Eingebettet in eine mythologische Erzählung zeichnet Platon in dem Dialog Phaidros die Seele in Gestalt eines geflügelten Wagengespanns mit einem Lenker und zwei Pferden. Zugleich verknüpft Platon die immanente Dynamik, die das Bild verkörpert, mit der Frage der Liebe und des philosophischen Eros. Das platonische Bild wurde in der Folge vielfach rezipiert; zwei der maßgeblichen Rezeptionen sollen im Seminar erörtert werden: die Aufnahme von Platons Seelenbild durch den Neuplatoniker Plotin und durch Marsilio Ficino. Gerade die Schriften Ficinos, die mit dem Bild die Liebe zum Schönen in den Vordergrund rücken, zeitigten weitreichende Auswirkungen auf Bereiche der Kunsttheorie und folglich auf die Bildende Kunst.

Mit der Kunsttheorie des Quattrocento und Cinquecento und den Ausführungen von Leon Battista Alberti und Leonardo da Vinci werden die sog. moti dellʼanimo (Seelenbewegungen) und ihre Darstellbarkeit zu einem konkreten Thema der Kunst. Vor allem die Lehre der Physiognomik in ihrer Komplexität ermöglichte den Künstlern, durch die Darstellung des körperlich Äußeren (meistens des Gesichtes) die gesamten inneren Seelenwirkungen zum Ausdruck bringen zu können. Mit Leonardo da Vinci‘s Auffassung der Malerei als eine Wissenschaft werden außerdem die physiologischen und psychosomatischen Aspekte der Seelenzustände untersucht.

Im Seminar werden folgende Fragen leitend sein: Worin liegt das Potential der Bilder der Seele, welche Form von Wissen implizieren diese und wie ist ein solches Wissen fassbar? Welche Modifikationen erfährt etwa das platonische Bild durch seine Rezipienten? Wie verweisen Bild und Wissen aufeinander?

Im Mittelpunkt des Seminars steht somit einerseits die Erarbeitung, Diskussion und Interpretation der Quellentexte und Bilder, andererseits die Frage ihrer Transformation. Dabei sollen in historischer und systematischer Perspektive aktuelle Ansätze der Forschung sowie unsere eigenen Zugänge zu den Inhalten sichtbar gemacht werden. Methodisch sollen die Studierenden in einem Wechsel von Anleitung und selbstständiger Forschungstätigkeit exemplarisch lernen, einen Text oder ein Bild kontextuell einzubinden: durch die Heranziehung weiterer Quellentexte oder Bilder des entsprechenden Autors oder Künstlers (oder der jeweiligen Zeit) sowie durch die Recherche einschlägiger Forschungsliteratur. Darüber hinaus wird es darum gehen, gegenwärtige Literatur zu Bildtheorien und/oder zu dem Quellenmaterial selbst – in Spezifizierung bestimmter Problemstellungen – produktiv ein- und umzusetzen. Gewährleistet wird wissenschaftliche Kompetenz nicht zuletzt durch ein kritisches Reflexionsvermögen; maßgebliches Übungsfeld dafür ist das selbstständige Argumentieren.

 

max. Teilnehmerzahl 15-20 Studierende